Ärzte-Initiative gegen 4 Kohlekraftwerke in Wilhelmshaven
02|02|2008
Offener Brief an die Ratsmitglieder der Stadt Wilhelmshaven
Mit der Bitte um Veröffentlichung!

Die erwartete Skyline von Wilhelmshaven gesehen aus Dangast, einem der schönsten Kurorte gegenüber von Wilhelmshaven.
Sehr geehrte Mitglieder des Rates der Stadt Wilhelmshaven!
Es sind keine vier Wochen vergangen, seit unsere Ärzteinitiative durch ihre Zeitungsanzeige ausdrücklich auf die im Entwurf der Bebauungspläne Nr. 212 und 220 vorgesehenen 4 Kraftwerke hingewiesen hat, und dafür der „unverantwortlichen Panikmache“ und der Ausmalung eines “Horrorszenarios“ beschuldigt wurde.
Inzwischen liegen folgende Tatsachen auf dem Tisch:
Electrabel baut ein Kohlekraftwerk mit 830 MW [Nr.1], EON baut ein Kohlekraftwerk mit 500 MW [Nr. 2], EON hat am 24.1.08 Pläne für eine „Ertüchtigung“ des bestehenden 750 MW Kohlekraftwerkes öffentlich mitgeteilt – also wird dieses nicht [wie bisher immer behauptet] in absehbarer Zeit außer Dienst gestellt [Nr. 3]. Es besteht weiter eine Option für ein zweites Electrabel Kohlekraftwerk von 830 MW. [Nr. 4] Im Bebauungsplan 220 ist für EON noch ein dritter Kraftwerksblock mit 1200 MW vorgesehen [Nr. 5]. Zusammen über 4000 MW, nichts anderes haben wir in unserer Anzeige der Bevölkerung mitgeteilt! Im IFEU-Gutachten für Electrabel werden die CO2 - Emissionen als hoch eingestuft, und das in der Zeit des Klimawandels!
In der soeben herausgegebenen „Bürgerinformation“ wird die Öffentlichkeit weiter an der Nase herumgeführt, um die gesundheitlichen Bedenken in der Bevölkerung zu zerstreuen. Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, dass die Feinstaubbelastung nicht dadurch ungefährlich wird, dass die Grenzwerte eingehalten werden, die in Deutschland das Vierfache des von der WHO empfohlenen Wertes betragen.
Auch wenn die Emissionen des einzelnen Kraftwerks noch innerhalb der Grenzwerte liegen, addieren sie sich bei mehreren. Bereits 2001 schöpfte der PM10-Feinstaub- Jahresmittelwert am Jadebusen den Immissionswert der TA Luft zu 65 % aus [IFEU].
In Inversionswetterlagen sind Gefahren gerade für ältere Menschen und Kinder zu erwarten. Daher sind auch die Befürchtungen im Wangerland um den Status als Luftkurort, von dem 3600 Arbeitsplätze abhängen, nur zu verständlich. Aus unseren bekannten Gründen des Klimaschutzes und der Sorge um die Gesundheit der hier lebenden Menschen möchten wir Sie bitten, dem Entwurfsbeschluss für den Bebauungsplan 212 in der gegenwärtigen Form nicht zuzustimmen.
Mit der Bitte,
das Wohl der Stadt und der Region in den Mittelpunkt zu stellen.
Für die „Ärzteinitiative“:
Dr. Rudolf Greth | Dr. Günther Lotz | Dr. Klaus Schmeding | Ulf Vogt


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Gisela GroteGeschrieben am 19 Juli, 2008 um 13:14
Vielleicht interessant:
http://www.umweltbedingt-erkrankte.de/downloads/Offener_Brief.pdf
Mit freundlichen Grüßen
Gisela Grote
1. Vorstitzende
>info@umwelterkrankte.de<
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FlorianGeschrieben am 4 Februar, 2008 um 22:21
Hallo,
offene Briefe an die Ratsmitglieder sind gut und wichtig. Aber JETZT läuft grade das offizielle Einwendungsverfahren für das Electrabel-Kraftwerk!! Alle Argumente die bis nächsten Montag (11.2.) nicht offiziell beim Gewerbeaufsichtsamt Oldenburg eingereicht werden sind wenig mehr wert als Stammtischgerede.
In Mainz läuft grade der gleiche Prozess ab. Unter www.einspruch-kohlekraftwerk.de stehen gute Mustereinwendungen, die leicht auch an WHV angepasst werden können. Kein Einspruch - keine Grundrechte!
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Gerd AdamczykGeschrieben am 4 Februar, 2008 um 08:22
Wieso „unverantwortlichen Panikmache“ und Ausmalung eines “Horrorszenarios“ ??
Das Umweltbundesamt gibt Hilfestellung bei der Ökonomischen Bewertung von Umweltschäden und geht, wie viele Ärzte in unserer Region von folgender Überlegung aus:
Die Stromerzeugung verursacht Risiken für die menschliche Gesundheit und Schäden an Pflanzen, Ökosystemen und Materialien.
Daher müssen Umweltschützer und die Politik bewerten, welches Kraftwerk den Strom umweltverträglich, zuverlässig und preisgünstig (in dieser Reihenfolge) erzeugt. Dies ist dann nicht das Beste Kraftwerk aber das kleinste Übel.
Es entstehen Schäden (externe Effekte), für die nicht die Verursacher sondern die Allgemeinheit aufkommen muss.
Mit der „Methodenkonvention zur Schätzung externer Umweltkosten“ des Umweltbundesamtes (UBA) lassen sich externe Umweltkosten anhand einheitlicher und transparenter Kriterien bewerten.
Diese unerwünschten Effekte werden in Geldwert erfasst und sie sind bei Vergleichen und Entscheidungen auf konsistente Weise zu berücksichtigen.
Die nach dem Stand des Wissens im Frühjahr 2002 berechneten externen Kosten betrugen ca.:
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Braunkohle 3,7 €-cent/kWh
Steinkohle 2,5 €-cent/kWh
Erdgas 1,1 €-cent/kWh
Kernkraft 0,2 €-cent/kWh
Photovoltaikanlage (amorphe Zellen) 0,8 €-cent/kWh
Windkraftanlagen 0,2 €-cent/kWh
Laufwasserkraftwerk 0,1 €-cent/kWh
—————————–
Und änderten sich im Jahr 2005 (Forschungsprojekt im Auftrag des Umweltbundesamtes, FuE-Vorhaben, Förderkennzeichen 203 14 127,April 2007) auf ca.:
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Braunkohle 8,7 €-cent/kWh
Steinkohle 6,8 €-cent/kWh
Heizöl 6,1 €-cent/kWh
Erdgas 3,9 €-cent/kWh
Wasserkraft (Laufwasser 300 kW) 0,4 €-cent/kWh
Photovoltaik (Dach, 3 kW) 0,8 €-cent/kWh
Windkraft (onshore, 800 kW) 0,1 €-cent/kWh
—————————–
Die Förderung erneuerbarer Energien kostet Geld. Im Jahr 2006 wurde dies ermittelt und es sind angeblich 3,2 Milliarden Euro gewesen. Dem standen jedoch vermiedene Umwelt- und Gesundheitskosten durch vernünftige Planung in Höhe von mindestens 3,4 Milliarden Euro gegenüber. In den angeführten Berechnungen wurde für die Klimafolgeschäden der Wert 70 €/t CO2 verwendet.
Die größten Anteile an den externen Kosten entstehen durch die Beiträge zum Treibhauseffekt und durch Gesundheitsschäden bis hin zu verringerter Lebenserwartung, die durch die Emission von Schadgasen wie Feinstaub, Stickoxiden und Schwefeldioxid entstehen.
Die Rangfolge der Umweltverträglichkeit ist eindeutig: Strom aus Braunkohle erzeugt die höchsten externen Kosten, gefolgt von Steinkohle, Öl und mit schon recht deutlichem Abstand Erdgas. Die Rangfolge bleibt auch bei niedrigeren Kostensätzen von nur 20 €/t CO2 erhalten.
Das Verhältnis der Umwandlung von Wärmeenergie in mechanische Arbeit und dann in Strom ergibt einen numerische Wert ( Wirkungsgrad). Infolge der unterschiedlichen Zusammenspiele von Naturgesetzen bei unterschiedlichen Kraftwerken kann anhand dieses Wertes nicht entschieden werden, ob z. B. ein Wasserkraftwerk mit 85 %, ein kohlebeheiztes Wärmekraftwerk mit 50 %, oder ein Sonnenkraftwerk mit 15 % Wirkungsgrad „besser“ ist.
Um der immer wieder von gutgläubigen Bürgern und der Politik gern geführten Arbeitsplatzargumentation in Verbindung mit dem Kraftwerksausbau den richtigen Stellenwert geben zu können erinnere man sich bitte an die Jahre 1977 / 1978, in denen publiziert wurde:
(…) mit dem bei ICI geplanten Ausbau werden in zehn Jahren im ungünstigsten Falle etwa 4.000 Arbeitnehmer - davon werden rd. 15.000 bis 20.000 Einwohner des Raumes Wilhelmshaven abhängig sein – Beschäftigung finden.
Eigentlich sollte jeder in unserer Region, auch die Politik (um nicht zu sagen der Herr Oberbürgermeister) aus Fehlern bei der Arbeitsplatzprognose anderer gelernt haben.
Gerd Adamczyk
Kommentar zitierenBeringallee 18
26389 Wilhelmshaven