Science und Fiction!

8 April, 2008

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Die Diskussion wurde begleitet durch leidenschaftliche Kohlekraftwerksgegner, die sich deutliche Sorgen um die zukünftige Lebensqualität machen und tausende von Arbeitsplätzen im Tourismus, die durch die Ansiedlung von Kohlekraftwerken gefährdet werden.

“Durch die Industrialisierung ist Hooksiel erst das geworden, was es heute ist” - tja werden Sie denken, auf welchem Stern waren die denn!? Auf der Kohlekraftwerksdiskussion im Hotel Kaiser der Friedrich Naumann Stiftung.

Sichere Energieversorgung - ökonomische und ökologische Aspekte!

Beim erstgenannten Argument sind wohl einige mitsamt Stuhl virtuell umgefallen oder die Schuhe haben sich von selbst gelöst - wie auch immer - diese Veranstaltung war eine der Lobbyistenveranstaltungen nach Wunsch direkt aus dem Katalog.

Der eingeladene Politiker Walter Hirche begrub alle Kohlekraftwerksgegner-Hoffnungen mit der Umkehrung des Atomausstiegs und dem unabdingbaren Energiemix aus Kohle, Atomkraft und Erneuerbaren Energien.

In Bezug auf den Tourismus untermauerte er seine These wie folgt:
“Wenn der Tourismus laufen soll, dann muss Geld ausgegeben werden und die Kohlekraftwerke schaffen Arbeitsplätze und tragen mit dazu bei, dass Menschen in den Urlaub fahren können, um ihr verdientes Geld ausgeben zu können.”

Klingt doch völlig logisch aber mal ehrlich, wer fährt denn in den Urlaub, um in der Nähe von Kohlekraftwerken Urlaub zu machen - genau: Walter Hirche zusammen mit Eberhard Menzel!

Das wäre genau so, als wenn damals Wangerländer Urlaub im Ruhrpott gemacht hätten, während des Wirtschaftswunders, zwischen rauchenden Stahlwerken, Kohle verarbeitenden Betrieben und jeder Menge Großindustrie - Krupphusten als selbstverständliche kostenlose Zugabe.

Die Agentur dena hatte vor einigen Tagen einen Bericht veröffentlicht, der eine Energielücke heraufbeschwört, jene Energielücke, die noch vor wenigen Tagen vom Umweltbundesamt zur “Schimäre der Energiekonzerne” erklärt wurde. Genau diese Energielücke wurde heute wiederbelebt mit einer Selbstverständlichkeit unters Volk gestreut, als gäbe es gar kein Umweltbundesamt.

Herr Albers vom Electrabel Konzern verkauft “seine Kohlekraftwerke” als Beitrag zum Umweltschutz und letztendlich erklärt er seinen Konzern zum Klimaretter, weil durch das Mehrenergiekonzernangebot auf dem Markt ineffiziente Kraftwerke automatisch vom somit “liberalisierten Energiemarkt” gedrängt würden.

E.on wirbt mit dem Stand der Technik, d.. auch alte schon 30jährige Kraftwerke machen umweltpolitisch noch Sinn, wenn man sie denn modernisiert. Weiterhin wirbt E.on mit dem Märchen der CO2-Abscheidung, eine Technik, die wahrscheinlich irgendwann zur Verfügung stehen wird. Kein Wort darüber, dass die Vorratsstätten nach ca. einem Jahr komplett voll wären, mit verflüssigtem CO2, dass schleichend aus den unterirdischen Lagerstätten wieder entweicht und somit den angestrebten Klimanutzen ad Absurdum führt.

Für alle Kohlekraftwerksbefürworter ist klar, dass der Strom teurer wird und der Verbraucher diese Kröte bedingungslos zu schlucken hat. Die Kraftwerksbetreiber werden die kostenlos erhaltenen CO2-Zertifikate gnadenlos den Endverbrauchern in Rechnung stellen - man spricht von einem Gewinn für die Konzerne zwischen 20-30 Milliarden Euro - was für ein Geschäft - was für eine Subventionierung im Schulterschluss mit der Politik, die in Gestalt des Herrn Hirche heute nur die dena-Studie als seriöse Quelle zuließ.

Der Einwand von Herrn Schmeding, einem Arzt der Ärzteinitiative Wilhelmshaven, dass diese Quelle unseriös wäre, wurde vehement von Herrn Hirche widersprochen.

Für Journalisten gilt: Eine Quelle ist keine Quelle
für Politiker indes: “Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut; sie hört nicht, was ich sage, und ich sage nicht, was sie hören will.“

also die eigene Wahrheit in Form des politischen Zieles, geschürt durch Lobbyisten, deren Büros gerade im Bundestag entdeckt werden.

Auffällig war, dass der Klimawandel nicht thematisiert wurde, d.h. niemand der Lobbyisten auf dem Podium erwähnte auch nur ansatzweise Organisationen wie die Deutsche Umwelthilfe, das IFEU-Institut oder verschiedene Energie Szenarien, die schon heute belegen, das Atom- und Kohlekraftwerke verzichtbar sind - dena über alles!?

Ein wirklicher Lichtblick auf diesem denkwürdigen Lobbyistenpodium war allerdings Herr Dr. Hans-Peter Ahmels vom Bundesverband der Windenergie, der auf den Punkt brachte, was ambitionierte Energieszenarien und z.B. Gutachten des IFEU-Instituts gleich mehrfach bestätigen: Atom- und Kohlekraftwerke sind verzichtbar, wenn man die Erneuerbaren Energien ambitioniert fördert.

Die Windenergie ist Grundlastfähig, denn die alten Onshore-Windanlagen werden in Zukunft an Ort und Stelle ersetzt durch grössere und höhere Anlagen, die im Endeffekt wesentlich effizienter sein werden. Die Energieausbeute wird sich allein durch diese Maßnahme verdoppeln.

Gaskraftwerke und Erneuerbare Energien lassen sich wesentlich besser kombinieren, Gaskraftwerke können schneller angefahren werden, um Spitzenlasten abzufangen und die Dezentralisierung der Energieerzeugung wird weiter dazu beitragen, dass Atom- und Kohlekraftwerke schon jetzt verzichtbar wären.

Die Energieerzeuger allerdings wollen viel Geld verdienen, mit möglichst vielen geschenkten Emissionszertifikaten, deren “Kosten” sie gnadenlos an die Verbraucher weitergeben werden - Kosten, die uns Politiker wie Walter Hirche schon heute als Selbstverständlichkeit verkaufen, Politiker, die uns zusammen mit den Energiekonzernen plausibel machen
wollen, dass wir damit unseren Klimabeitrag leisten!

Im Boot dieser abenteuerliche Argumentationsflut für Kohlekraftwerke waren natürlich wieder: “die Russenabhängigkeit vom Gas”, “die erneuerte Energielücke”, “die Entwicklung der Technologien der Erneuerbaren Energien braucht mehr Zeit” - gefehlt hingegen haben “die Chinesen und die Inder” oder “Wir steuern in eine furchtbare Ökodiktatur” oder “Ökos sind doof!” und “Geht nicht wegen ausgefallen? Gute Nacht!”

Man könnte natürlich kritisch nachfragen, warum wir bis heute kein Dreiliter-Auto haben, warum Flugzeugbauer Öko- und Biokraftstoffe in ihren Flugzeugen testen oder warum sich Teile dieser Gesellschaft lieber im heiligen Verteidigungskrieg gegen Energiesparlampen wähnen, statt Klimaschutz, Klimakonsum und Energie-Innovation unaufgeregt in den persönlichen Alltag zu integrieren.

Schließen wollen wir diesen furchterregenden Abend im Hotel Kaiser mit einem Zitat aus der TAZ vom 08. Dezember 2007:

“Selbst wenn das ungerecht sein sollte - im Ergebnis steht: Die bürgerlichen Eliten haben Klimaschutz und Energiewende bisher nicht in ihren Kanon der bürgerlichen Pflichten integriert.

Daher braucht es eine neue Elite in Deutschland.

Wäre das nicht was für Sie?”

Links:
Stromlücke ist Schimäre der Energie-Konzerne
Stromlücke entspringt „strategischem Kalkül“ der Energiekonzerne

1 Kommentar

  1. 1

    Gerd Adamczyk

    Wie hieß es schon im letzten Jahr?
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    “Stromkonzerne sahnen kräftig ab
    Wolfgang Pomrehn
    09.04.2008

    Umweltschützer legen Studie vor, die die Zusatzgewinne belegt, die besonders in Deutschland mit dem Emissionshandel zu machen sind
    Da sage noch jemand, der Klimawandel habe nur Verlierer. Die großen Energiekonzerne schaffen es sogar, doppelt dran zu verdienen: Durch das massive Verbrennen von Kohle in der Stromerzeugung – in Deutschland für rund 40 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich – und durch den Handel mit Verschmutzungsrechten. Bis zu 71 Milliarden Euro werden die Konzerne in den nächsten Jahren mit CO2-Zertifikaten verdienen, meint Point Carbon Advisory Services, eine Beratungsfirma, die nach Angaben der Umweltschutzorganisation die weltweit führende Informationsplattform für Kohlenstoffmärkte ist.”
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    Dennoch scheint es vielen Bürgern neu zu sein.

    Zur Klimaerwärmung :
    Zitat:http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27657/1.html
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    Neben dem Kohlendioxid (CO2) haben auch Methan, bodennahes Ozon, eine Reihe von synthetischen Gasen wie die FCKWs sowie das Distickstoffoxid (N2O) einen nennenswerten erwärmenden Einfluss auf das Klima. Hinzu kommen noch die kühlenden Einflüsse von feinen Partikeln aus den Abgasen vor allem der Kohlekraftwerke. Das von diesen in großen Mengen emittierte Schwefeldioxid SO2 reflektiert Sonnenstrahlung und fördert die Bildung niedriger Wolken, die ebenfalls Sonnenlicht reflektieren. Alle diese Einflüsse werden der Einfachheit halber umgerechnet und in CO2-Äquivalente ausgedrückt, um ihre Klimawirksamkeit zu beschreiben.

    Zu beachten ist dabei allerdings, dass die Lebensdauer der einzelnen Komponenten recht unterschiedlich ist. Wenn man die Quellen des CO2 verstopft, werden die ersten Auswirkungen erst in mehr als 100 Jharen zu spüren sein. Bodennahes Ozon und SO2 verschwinden hingegen innerhalb weniger Wochen aus der Atmosphäre, wenn ihre Quellen versiegen. Nun ist SO2 aber ein erhebliches Problem für die Pflanzenwelt (Stichwort saurer Regen) und die Atemluft, weshalb in den Hauptherkunftsländern Indien und China in den nächsten Jahren sicherlich Maßnahmen ergriffen werden, um die Kraftwerksabgase besser zu filtern. Damit wird sich der Druck, etwas in Sachen Klimaschutz erhöhen, weil ein kühlender Faktor weg fällt.
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