Energiewende ohne Atom- und Kohlekraftwerke!

v. l. n. r.: Peter Sokolowsi [BI-Zeche Rüstersiel], Jürgen Trittin [Grüne],
Karsten Smid [Greenpeace]
Wilhelmshaven - Die Bürgerinitiative “Zeche Rüstersiel” und die Grünen hatten zu einer Kundgebung eingeladen und es referierte kein Geringerer, als der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin [Grüne] zum Thema: Energiewende ohne Atom- und Kohlekraftwerke!
Das Pumpwerk füllte sich mit etwa 350 Besuchern, um den Ausführungen von Jürgen Trittin sowie Karsten Smid von [Greenpeace] und Peter Sokolowski [Zeche Rüstersieler Groden] zu lauschen.
Die Veranstaltung wurde initiiert, weil die Hauptverantwortlichen der Wilhelmshavener Kommunalpolitik [SPD, CDU und die FDP] den Weg frei machen möchten für bis zu 4 Kohlekraftwerke auf dem Rüstersieler Groden mit einem Gesamtkohlendioxidausstoß von 14 Millionen Tonnen pro Jahr!
Fragt man in dieser Stadt bei den Bürgern nach, bekommt man inzwischen schon hauptsächlich die Stereotypen zu hören, die sich auch in den Portfolios der Lobbyisten wiederfinden, als da wären:
- Kohle ist ein Brennstoff, der uns noch lange verfügbar sein wird.
- Kohleverstromung auf dem höchsten verfügbaren Stand der Technik.
- hoch effiziente Kraftwerke.
- Kohle macht Strom in Zukunft bezahlbar.
- Drohende Gasabhängigkeit von Russland.
- …
Die Kraftwerksbetreiber prahlen mit bis zu 18 Prozent Anteil an Erneuerbaren Energien in ihren Konzernen und nicht zu guter Letzt mit super sauberen Werbekampagnen. Der städtische Wilhelmshavener Lieblingskonzern E.on, scheint laut seiner Werbung die Erneuerbaren Energien sogar sogar erfunden zu haben. Herrmann Scheer, ein Hardliner in Sachen Solarenergie und Erneuerbarer Energien von der SPD, hat beim PR-Vorreiterkonzern E.on allerdings Hausverbot.
Den Klimawandel spüren wir heute schon und die steigende Anzahl der Naturkatastrophen wie z. B. in Birma kamen wenig überraschend für Klimaexperten. Auch nicht zu unterschätzen seine etwaige Regressforderungen, die auf Industrieländer zukommen könnten, wenn Drittländer Klage einreichen würden, weil die Auswirkungen eines hemmungslosen CO2 Ausstoßes weltweite Auswirkungen haben werden.
Der wirkliche Aufklärungsbedarf in Sachen Energieerzeugung ist immens und sogar Wilhelmshavener SPD Mitglieder in fordern inzwischen eine objektivere Darstellung alternativer Energieformen und Energieerzeugung.
E.on schoss in seiner letzten PR-Wurfsendung den Vogel ab und präsentierte das bestehende E.on Kohlekraftwerk auf dem Rüstersieler Groden [Wirkungsgrad ´mal gerade eben 40 Prozent] als super sauber und als “Give away” gab es eine Postkarte mit dem nicht rauchenden Kraftwerk auf dem Rüstersieler Groden, davor zwei ungläubige Schafe auf grünem Deich.
Grotesker kann man es wohl kaum selbst formulieren und publizieren, wie unkritisch und dümmlich man sein Klientel in Zukunft haben möchte. Hier in Wilhelmshaven möchte man eben gern den Konzern-Supergau verhindern, der sich in Ensdorf ereignete, wo ein Kohlekraftwerk auf öffentlichen Druck abgelehnt wurde. 70 Prozent der Bürger stimmten in einem sogenannten Bürgerentscheid gegen ein Kohlekraftwerk. Die Lobbyisten haben inzwischen mächtigen Respekt vor den Bürgern, deren Machtstellung sie einfach unterschätzt haben.
E.on z. B. tut alles in Wilhelmshaven, um sich per “Greenwashing” so zu “vergrünen”, das es schmerzt. Im Schulterschluss mit den Kohlekraftwerksbefürwortern des Wilhelmshavener Rates und der lokalen Primitivzeitung scheint es für die finanzstarken Lobbyisten in Wilhelmshaven leichter zu sein, die Kohlekraftwerke “en passant” am Bürger vorbeizudeligieren, als in anderen Kommunen.
Die Auswirkungen dieser Steinzeittechnologien werden nicht nur der Anstieg des Meeresspiegels bis zu einem Meter sein, sondern auch die allein damit verbundenen horrenden Kosten für die Deichsicherheit, d. h. die Deicherhöhungen.
Jürgen Trittin fragte auch, wo denn die Kohle überhaupt her käme und auf wessen Kosten diese gefördert wird. Keiner käme doch zunächst auf den Gedanken, dass diese Kohle unter menschenunwürdigsten Bedingungen in Russland, China und Südafrika abgebaut wird und was das für diese Minenarbeiter bedeutet, die vielfach ihr Leben lassen müssen für unseren Wohlstand und die Profitgier der Kohlekraftwerksbetreiber. Die Förderung von Uran ist ein Parallelbeispiel für die perfiden Werbekampagnen der Energieerzeuger, denn auch hier schweigen die Konzerne sich darüber aus, dass viele Minenarbeiter aus den Uranabbaustätten an Lungenkrebs erkranken und sterben, ganz zu schweigen von den riesigen Problemen mit der Endlagerung.
Die Energielücke verwies auch Jürgen Trittin ins Land der Märchen der Energiekonzerne, die heute schon 20 - 30 Prozent des erzeugten Stromes aus Deutschland exportieren, damit z.B. in Frankreich im Sommer die Klimaanlagen hochgefahren werden können. Mit der Lüge der Energielücke will man vielen Menschen Angst machen, weil sie dass PR-Märchen der Stromlücke durchschaut haben.
Mit mindestens 50 Prozent Energieverlust sind Kohlekraftwerke ineffizient und es müsste schon längst Gesetze geben, die diese Steinzeit-Kraftwerkstechnologie verbietet. Außerdem gibt es immer noch kein Gesetz, dass zwingend vorschreibt, ein altes vom Netz zu nehmen. Die Konzerne werben immer noch mit der Lüge, dass durch den Neubau die alten automatisch aus dem Markt gedrängt werden! Wer das glaubt, wird Seelig oder sollte einmal bei Evonik nachschauen, wo ein Kraftwerks-Block an fast gleicher Stelle den neuen ersetzt oder der alte einfach modernisiert wird, “bis buchstäblich der Arzt kommt”!
Ein paar Seitenhiebe konnte sich Jürgen Trittin dennoch nicht verkneifen, wie auf die Aussage eines Wilhelmshavener Ratsmitgliedes, von Beruf Landwirt, dass CO2 die Weizenproduktion fördern würde:
Gucken Sie sich einmal an was hier in Wilhelmshaven zu der Frage CO2 im Rat zum Besten gegeben wurde…Wir brauchen das CO2, damit die Pflanzen wachsen können…Ja, da ist biologisch was dran!…
Das “Gesabbel” von dieser CO2-Version beschrieb er als Unsinn und Unverantwortlichkeit. Dem Wilhelmshavener Stadtrat empfiehlt er außerdem einen Besuch im Al Gore-Film.
Einen Aspekt hob er besonders hervor, der noch vielen Kopfzerbrechen bereiten wird. Wenn Deutschland jetzt nichts für den Klimaschutz tut, dann würde es später etwa 5 - 20 Prozent des Wirtschaftswachstumskosten - würden wir hingegen sofort anfangen, dann läge dieser Wert nur bei etwa 1nem Prozent.
Wer früher anfängt kommt später billiger weg.
Große Emittenten wie die USA oder China müssen logischerweise mehr für die Klimaziele leisten, als z. B. Indien, dass mit einem CO2 Ausstoß von ca. 2,6 Tonnen pro Jahr und Kopf nur ein Zehntel des CO2 Ausstoßes der USA produziert. Hinzu kommt, dass CO2 Zertifikate auch aus dem Ausland auf Kohlekraftwerke hier in Deutschland übertragbar sind, was als zusätzliche Belastung auf Deutschland zukommt und was den Bau von Dreckschleudern aus Sicht der Energiekonzerne profitabel erscheinen lässt.
Was Jürgen Trittin allerdings erstaunt, ist, dass das Erneuerbaren Energien Gesetz, das vorschreibt, bis zum Jahre 2010 12einhalb Prozent Strom erneuerbar zu erzeugen, schon im Jahre 2008 mit einen Anteil von über 15 Prozent weit übertroffen wird.
Zusätzlich haben die Technologien bis heute ca. 200.000 Arbeitsplätze geschaffen,Tendenz steigend. Im Gegensatz dazu werden Kohlekraftwerke weitgehend automatisch gefahren.
Zusammengefasst waren die drei Reden ein Appell an die Politiker und vor allem an die lokalen Kommunalpolitiker den Energiekonzernen nicht einfach ihre Stimme kritiklos abzugeben, sondern auch einmal zu überlegen, was diese Generation den kommenden nach genauerer Betrachtung zumutet.
Mit weiteren Kohlekraftwerken seien die Klimaziele jedenfalls nicht zu erreichen und die somit angestrebte Vorreiterrolle auf dem Sektor der Erneuerbaren Energien erst recht nicht!


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Gerd AdamczykGeschrieben am 19 Mai, 2008 um 12:32
Auch heute ist es wieder einmal erschreckend wie die Gewichtung der Themen in unserer „lokalen Primitivzeitung“ aussieht und wie wenig Fakten aus der Veranstaltung „Energiewende ohne Atom und Kohlekraftwerke“ an den Bürger weitergegeben werden.
Kommentar zitierenAllerdings ist es der Presse nur mit ausreichendem Hintergrundwissen möglich die Redebeiträge wertfrei aufzubereiten.