4 Kohlekraftwerke in Wilhelmshaven

22 Mai, 2008

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So, wie im Logo der Ärzte Initiative-Wilhelmshaven könnte die Zukunft der Stadt Wilhelmshaven aussehen - man sieht die Hand vor Augen nicht mehr!

Klimawandel - Eine Gefahr für den Frieden
Das Schmelzen der Pole und Gletscher, das Steigen des Meeresspiegels und die stetige Ausbreitung der Wüste lassen Untergangsvisionen für die kommenden Jahrzehnte nicht mehr länger unrealistisch erscheinen.

Die Erde erwärmt sich.
Der Klimawandel wird unseren Planeten bestenfalls neu gestalten und schlimmstenfalls zerstören. Wenn die Temperatur auf dem gesamten Globus nur um ein oder zwei Grad steigt, ist eine Katastrophe für den Erdball nicht ausgeschlossen.

Dass Untergangsvisionen für die kommenden Jahrzehnte nicht ganz unrealistisch sind, behaupten nicht mehr nur Umweltschützer. Auch Wissenschaftler, Politiker und sogar die eher vorsichtigen Militärs gestehen mittlerweile ein, dass der Klimawandel den Weltfrieden gefährdet.

Gestern entschieden der Kalte Krieg, Unabhängigkeitskämpfe und große ideologische Auseinandersetzungen über die internationale Sicherheit. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, scheint der Klimawandel diese Rolle übernommen zu haben.

Im Norden wirkt sich die Veränderung des Weltklimas auf die Lebensqualität und die Wirtschaft aus. Im Süden hingegen vernichtet der Klimawandel Lebensraum und vertreibt die Menschen aus ihrer Heimat. Doch es handelt sich nicht mehr um eine in nord-südlicher Richtung, sondern quer durch die Industrie- und die Schwellenländer verlaufende Grenze.

Die Veränderungen werden überall Ungleichheiten, Ungerechtigkeiten verschärfen und die soziale Kluft vertiefen. Die angekündigte Krise wird niemanden verschonen. Sie stellt schon jetzt ein Problem für die gesamte Menschheit dar.” [Zitat aus: Klimawandel - Eine Gefahr für den Frieden Arte 20.05.2008, Frankreich 2007]

Warum erzählen wir das in Artikeln immer wieder und nicht unsere Zukunftspropheten, die selbst ernannten Klimaschützer, wie Politiker und die Lobbyisten, die Energieriesen, und warum werden trotz aller Warnungen immer noch Kohlekraftwerke genehmigt?

Dieses Phänomen beruht z. B. auf der Tatsache, dass Lobbyisten den Menschen immer nur ihre Wahrheiten auf eindringliche Weise einflößen und das in “Greenwasching Kampagnen”, bezahlt mit den mächtigen Gewinnen, die die Energiekonsumenten bezahlen müssten, da wir es in Deutschland mit einer monopolistischen Energiewirtschaft zu tun haben, die ihresgleichen sucht.

“Wenn wir ein neues Kohlekraftwerk bauen, dann wird das ineffiziente abgeschaltet” so lautet ein PR-Slogan der Energieerzeuger - aber wer schaltet schon freiwillig seine “Gelddruckmaschine” aus, wenn er genügend CO2-Zertifikate für seine abgeschriebenen Grundlastkraftwerken besitzt und die Maxime des Unternehmens folgenden Wortlaut in genau der Reihenfolge hat: Wirtschaftlichkeit, Sicherung der Energieversorgung und dann, ganz weit hinten, etwas unbeliebt, erst dann die Umwelt.

Die Profitgier und die Erhaltung der Macht auf dem Energiemarkt treibt die Energiekonzerne voran und nicht das vielzitierte Gemeinwohl, ein gewichtiger Baustein im PR-Puzzle der Energielobbyisten.

Der Anteil der erneuerbaren, also CO2-freien - Energien liegt zur Zeit in Deutschland bei kümmerlichen 5 Prozent. Noch immer ist es viel billiger, die extrem umweltschädliche Braunkohle für die Stromversorgung zu nutzen als etwa in Windkraftanlagen zu investieren. Aber den Markt interessiert nur der Preis – und nicht das Klima!

Die Ratssitzung vom gestrigen Mittwoch zeigt den Antagonisten, wie dieses Spiel zusammen mit der ortsansässigen Kommunalpolitikern, den eingefallenen Lobbyisten und der Lokalgazette funktioniert, wie leicht es inzwischen ist, eine Kommune nach deren Wünschen umzukrempeln.

Bürger, die sich in der Mehrzahl nicht mehr wehren oder die man mit einem jahrzehntelang aufgebauten System der Meinungsmache umzupolen weiß, die gibt es in Wilhelmshaven reichlich. Hier wird nicht etwa sachlich aufgeklärt, sondern festgestellt und fiesen Fragestellungen weicht man ganz einfach aus oder beantwortet sie mit Diskreditierungen und wundert sich nebenbei, dass sich die öffentlich Gescholtenen zur “Wehr” setzen und selbst Gehör verschaffen, wie z. B. die “Ärzteinitiative-Wilhelmshaven” oder “die Kaiserlichen KanalarbeiterInnen”.

Gestern wurden die Weichen gestellt für eine Zukunft, die eigentlich fast jeden erschauern lassen müsste, nur die Beratungsresistenzen Kommunalpolitiker nicht, die, die den Bau von Kohlekraftwerken wie selbstverständlich absegnen und in der Überzahl nie auch nur den Weg zu einer Versammlung irgendeiner Bürgerinitiative angetreten haben.

Lassen sie uns durch einige Beispiele veranschaulichen, die sehr deutlich machen, um was es geht - fangen wir einmal mit der eigenen Brieftasche an:

Die im sogenannten „Stern-Report“ veröffentlichten Ergebnisse sagen eine Weltwirtschaftskrise ungeahnten Ausmaßes voraus, wenn die Menschheit nicht sofort beginnt, den Klimawandel zu begrenzen.
Aufzuhalten ist dieser Wandel ohnehin nicht mehr – aber der Zusammenbruch der Finanzmärkte kann noch verhindert werden. Und am Ende wird daraus sogar noch ein gutes Geschäft.

Zu der Angst kommen die Kosten.
Immer mehr Stürme, Hochwasser, Hitzewellen – auch in Deutschland. Das Klima spielt verrückt. Und die Kosten explodieren!

„Kyrill“ wird die Versicherungsbranche in Europa an die 7 Milliarden Euro kosten.
Allein deshalb wird die Münchener Rück in diesem Jahr wohl kein Rekordergebnis an die Aktionäre melden können. Denn „Kyrill“ hat selbst die Klimaexperten in München kalt erwischt. Wieder etwas gelernt über die möglichen Auswirkungen des Klimawandels.
Bei der Münchener Rück wird jetzt neu gerechnet. Die Folge: Die Versicherungen werden teurer !

Ob sich der Verbraucher wohlfühlen wird in dieser neuen Welt der Klimaschutz-Geschäfte ?
Wahrscheinlich nur dann, wenn er über genügend Geld verfügt, um sich die neueste, klimafreundliche Technik leisten zu können.

An der deutschen Nordseeküste – besonders auf den Inseln – drohen andere Gefahren.
Hier geht es um Alles oder Nichts. Wissenschaftler prophezeien, dass die Inseln untergehen werden, wenn der Klimawandel nicht aufgehalten wird.

Die Folgen von Überschwemmungen und Sturmfluten werden an der Universität Siegen an einem großen Modell simuliert.
Welche Baumaßnahmen widerstehen dem Angriff des Wassers am längsten? Professor Jürgen Jensen warnt seit vielen Jahren, dass der Küstenschutz in Deutschland unzureichend ist. Die heftigen Stürme in diesem Winter haben die Situation auf den Nordseeinseln weiter verschärft.

Gleich zwei Faktoren bedrohen die Existenz der Nord- und Ostfriesischen Inseln:
Die Klimaerwärmung könnte den Meeresspiegel derart ansteigen lassen, dass die zum Teil nur 3 Meter hohen Inseln einfach versinken.

Dazu kommen die immer heftiger werdenden Stürme und Sturmfluten, die den Sand von den Inseln wegspülen.
Dabei spielen diese Vorposten im Meer auch für das Festland eine wichtige Rolle.

Noch gibt es die Inseln als Bollwerke gegen den Angriff des Meeres.
Der Tourismus boomt, denn die Sommer werden ja immer wärmer an der Nordseeküste. Doch genau das könnte hier zum Verhängnis werden. Auf den Inseln kann man eben nicht vom Badeurlaub auf Kräuterwanderungen umstellen. Wenn der Klimawandel hier zuschlägt, sind die Konsequenzen radikal!

Küstenschutz ist in Deutschland nicht einmal zentral organisiert.
Jedes Bundesland entscheidet selbst, wie viel Geld es in Deiche und Wellenbrecher investiert. So entstehen Lücken im Verteidigungsgürtel.

O-Ton Sigmar Gabriel:
Man darf jetzt hier auch nicht Panik machen, dass alle Leute glauben, sie müssten sich Schwimmflossen kaufen, sondern natürlich wird es darum gehen, dass wir in dieser Untersuchung der Anpassungsmaßnahmen uns dann anschauen, was wir dort tun müssen. Die Mittel im Bereich Küstenschutz sind ja in den meisten Ländern in den letzten Jahren auch erhöht worden. Ich glaube nicht, dass wir den Leuten bereits jetzt solche Sorgen machen sollten. Aber es ist schon eine ziemliche Herausforderung und wird auch Geld kosten.

Die Politik sieht´s also gelassen:
Wie viel Geld es kosten wird, ist nicht klar. Aber es werden astronomische Summen sein. Deshalb drängen die Klimaforscher auf schnelles Handeln. Teuer wird es sowieso, argumentieren sie, es geht darum, ein finanzielles Desaster abzuwenden.

Glaubt man den Politikern und gibt man sich in deren Obhut verliert man als Bürger auf lange Sicht gesehen gleich dreifach:1. durch den Verlust der Natur, 2. durch den Verlust der Gesundheit, und 3. durch den Verlust eines erheblichen Anteils am verdienten Einkommen.

Ein weiteres Beispiel:
Die Autos der deutschen Hersteller <…> werden immer größer, immer schneller, aber nicht immer sparsamer. Ein leuchtendes Vorbild sieht anders aus. <…> Hinzu kommt: Die Autos von heute, die bislang durch Katalysator oder Russfilter als umweltfreundlich gelten, könnten schon bald zum kostspieligen Stinker degradiert werden. Und die Zeche zahlt dann - wieder einmal - der Verbraucher ganz alleine.

Dazu vom Potsdamer Institut für Klimaforschung:
Sie sind es leid, immer wieder durch kleinliche politische Querelen ausgebremst zu werden. Es muss etwas passieren, argumentieren sie ungewohnt energisch, denn die Zeit laufe einfach davon. Der CO2-Ausstoß muss runter, egal wie!
Und am besten wäre es, jede Form von Klimaschädigung würde einfach richtig teuer werden.

Es sind also längst nicht nur die viel bescholtenden Kohlekraftwerksgegner sondern immer mehr renommierte Institute, die sich immer lauter Sorgen machen, während die Politik im Bundestag sogar Büros für Lobbyisten einrichtet, deren Mitarbeiter dann auch noch Gesetzesentwürfe maßgeblich mitbestimmend verabschieden.

Kein Wunder also, dass der Wert für Feinstaub in Deutschland viermal so hoch ist [PM40], wie der wissenschaftlich festgeschriebene gesundheitsschädigende Wert der WHO [PM10] - kein Wunder also, das die Industrielobbyisten förmlich nach Deutschland strömen.

Grausige Aussichten, wenn wir uns vorstellen, dass auch die ortsansässigen Wilhelmshavener Ratsstrategen sich mit solchen Lobbyisten zusammentun und Freundschaftsverträge entwickeln wie z. B. mit E.on die laut Oberbürgermeister Eberhard Menzel aussagen: “E.on hat in einer vertraglich vereinbarten Absichtserklärung aufgeschrieben, nur zwei Kraftwerke gleichzeitig laufen zu lassen!”

Mann muss es sich nur auf der Zunge zergehen lassen, dass Grundlastkohlekraftwerke permanent laufen müssen, im Gegensatz zu Gaskraftwerken, die wesentlich effizienter sind und auch noch flexibler dem Markt zugeschaltet werden können.
Was wird wohl Electrabel zu diesem Freundschaftsvertrag von diesem Oberbürgermeister sagen - na, sie ahnen es schon!

Ob Sir Nikolas Stern, der ehemalige Chefökonom der Weltbank, wohl mit diesen Folgen gerechnet hat, als er die Computermodelle der Klimaforscher in die Sprache des Geldes übersetzte?

Der „Stern-Report“ hat dafür gesorgt, dass die Klima-Debatte plötzlich in aller Munde ist. Der UN-Klimabericht hat Stern’s Aussagen wenige Monate später noch einmal nachdrücklich unterstrichen.
Schlimmer und teurer als beide Weltkriege zusammen werden die Folgen des Klimawandels sein, schreibt Stern, wenn nicht sofort etwas dagegen unternommen wird. Vielleicht wird es bald eine Zeitrechnung geben, die die Geschichte einteilt in eine Periode vor und eine Periode nach dem Klimaschock.

Und alles geht aus von einer einfachen Frage, die Sir Nikolas Stern zum ersten Mal gestellt und auch beantwortet hat. Jetzt rechnen viele nach. Was kostet der Klimawandel?

O-Ton Armin Sandhövel [Dresdner Bank]
“Da ist glaub ich der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Aber dass es in die Billionen gehen wird, ist glaub ich, relativ klar. Und wenn ich sage Billionen, dann ist das eine Zahl, die muss man sich mal vergegenwärtigen. Es ist dann immer die Frage: Mach ich das worst-case-Szenario, oder gehe ich eher in ne Betrachtung rein, die so mittelfristig ist, oder was ist der Einzelschaden? Aber sie haben es gesehen, die Zahlen sind kommuniziert. Kyrill ist beziffert, welche Versicherung mit welcher Summe dabei war.”

Mit 7 Milliarden Euro Schaden gehört Kyrill zu den teuersten Stürmen der europäischen Geschichte.
Der Orkan forderte innerhalb kurzer Zeit mehr als 40 Todesopfer, weitere Menschen verunglückten bei den gefährlichen Aufräumarbeiten. Naturkatastrophen verschonen nichts und niemanden, nicht an Land und nicht auf dem Wasser.
Die Menschen, die schon einmal den Klimawandel zu spüren bekommen haben, sind geschockt.
Und der Schrecken sitzt tief – und hält an.

Der Vorgang der Änderung des Flächennutzungsplanung in Wilhelmshaven ist nun unumkehrbar, ausser die Gesetzeslage ändert sich fundamental. Diese Stadt könnte es sich finanziell nicht einmal ansatzweise erlauben gegen einen dieser Konzerne zu klagen.
Die Unternehmen E.on und Electrabel haben aus dem Vattenfall-Moorburg-Desaster gelernt: Sie werden nur anfangen zu bauen, wenn sie die Planungssicherheit haben! Die Wilhelmshavener Ratsstrategen dagegen haben ihr Einspruchsrecht und die Platzhoheit somit freiwillig verwirkt - Optionen Fehlanzeige!

Wir empfehlen der Koalition der Kohlekraftwerksbefürworter mindestens einen Film, aus dem wir in diesem Artikel viel zitiert haben:
Der Klimaschock: Profiteure, Kosten und Verlierer - ein Film von 7. Mai 2007 von Gudrun Thomas und Sebastian Schütz und den Besuch der Ostfriesischen Inseln so lange sie noch da sind - Atlantis lässt grüssen!

Zu Nebenwirkungen von Kohlekraftwerken und den Folgen des Klimawandels fragen sie bitte nicht den Oberbürgermeister von Wilhelmshaven, Eberhard Menzel und nicht die Mehrzahl von Wilhelmshavener Kommunalpolitikern, die für den Bau von bis zu 4 Kohlekraftwerken auf dem Rüstersieler Groden gestimmt haben.
Zu wünschen wäre diesen Politikern ein überdurchschnittliches Lebensalter, damit sie ihre jetzigen politischen Taten auch begutachten können. Der Klimawandel, der inzwischen auch zu einem Generationskonflikt mutiert, den könnte man dann intern mit der eigenen Familie und den Enkelkindern live ausdiskutieren - was für ein Spaß!

Vergessen sollten wir auch nicht milliardenschwere Regressforderungen, die Drittländer an uns stellen könnten, weil deren Landstriche durch den globalen Klimawandel überspült oder durch Naturkatastrophen verwüstet wurden.

Uns bleibt noch zu zitieren:
CO2, das Treibhausgas, ist nur in großen Mengen gefährlich für das Klima. In kleinen Dosen ist es unschädlich. Wir atmen es unser Leben lang aus.

Manchmal ist klarer Verstand die Rettung.

In diesem Sinne - wohl bekomms, das bisschen CO2!

Links:
20|05|2008 Klimawandel - Eine Gefahr für den Frieden
07|05|2008 Der Klimaschock - Profiteure, Kosten und Verlierer

5 Kommentare

  1. 5

    Nick

    @theo:

    In der Sache widersprechen Sie mir also nicht? Das ist ja schonmal gut, dass Sie auch der Auffassung sind, dass mit Beleidigungen nicht punktet :-)!

    Zur Demokratiefrage: Hier würde ich etwas vorsichtiger sein: Dass Entscheidungen nur mehr oder weniger “gekauft” werden, ist schon eine harsche Unterstellung und sicherlich nicht angebracht.
    Wenn man mit den Entscheidungen so nicht einverstanden ist, muss man sich eben eine politische Mehrheit suchen. So ist das in der Demokratie. Aber auch diese Mehrheit gibt es - glücklicherweise - nicht!

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  2. 4

    theo

    Zitat Nick :

    “Geradezu besoffen”, “die Borniertheit und Beschränktheit vieler unserer Politiker”, “solchen “Experten””, “politischen Stiefelleckern”. Wenn sich die Kritiker immer nur zu solch plumpen Beleidigungen hinreißen lassen, nur weil ihnen betimmte - von der Mehrheit getragene (Stichwort Demokratie!) - Entscheidungen nicht passen, macht sie das sicherlich nicht glaubwürdiger.

    Lieber Nick, wenn Lobbisten Gutachten und Ratsmitsglieder zu gunsten des Jade-Weser-Ports und der Kohlekraftwerke manipulieren, ist das Demokratie ???
    Dann bedeutet Demokratie oder “Mehrheit” nur noch: Mehrheit an finanziellen Mitteln.
    Zum Glück lassen sich physikalische Gesetze von Ebbe und Flut nicht manipulieren, so daß Wilhelmshaven um ein paar Ruinen reicher wird.

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  3. 3

    Wilhelm

    Gewisse Wortschöpfungen verraten ein schlechtes Gewissen und hoffen, die einzulullen, die man glaubt veräppeln zu dürfen.

    Heißt etwas “Treuhand”, zählt man besser seine Finger nach, “Entsorgung” ist Anlaß für größte Sorge, der Stuhlgang einer Stadt wird “Mischwasser” genannt, Kohlehalden heißen “Schüttgutlager” - und jetzt kommt noch Herr Kottek mit einer Variante, die ihn als “Bellini” der Tatsachenverzauberung glänzen läßt:
    “Zwei KohleKraftWerke werden gebaut, mit jeweils zwei Blöcken”.
    Hätte er doch mit seinem Chef gesprochen, dann wäre es wohl nur ein Kraftwerk, mit vier Blöcken. Das Leben ist hart bis zur Rente und da muß man eben vieles reden, um zu gefallen.

    Was für ein leichtes Spiel die Energiekonzerne doch haben. Sie erkennen ihre Pappenheimer, wissen die Verhältnisse und lassen “Entscheider” nur mitspielen beim Schach-er, wenn sie schon vorher Matt sind.

    “Völker der Welt, schaut auf diese Stadt….!”
    Viele werden noch genau hinsehen, jetzt und später.
    Doch vielleicht knipst ja vorher einer das Licht an und der Spuk ist vorbei. Der STERN REPORT könnte so ein Lichtstrahl sein, daß der Blick sich erweitert, über den Dunstkreis des eigenen Tellerrandes hinaus.

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  4. 2

    Nick

    “Geradezu besoffen”, “die Borniertheit und Beschränktheit vieler unserer Politiker”, “solchen “Experten””, “politischen Stiefelleckern”. Wenn sich die Kritiker immer nur zu solch plumpen Beleidigungen hinreißen lassen, nur weil ihnen betimmte - von der Mehrheit getragene (Stichwort Demokratie!) - Entscheidungen nicht passen, macht sie das sicherlich nicht glaubwürdiger.

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  5. 1

    Bettina Richter

    Die Ratssitzung am Mittwoch war der traurige Höhepunkt einer Kampagne der Augenwischerei: Geradezu besoffen vor Triumphgefühl bejubelten Politiker der Kohleeinheizfront die angeblich goldene Zukunft Wilhelmshavens mit Jade-Weser-Port und Kohlekraftwerken. Unverblümt sprach Herr Kottek von 4 zu erwartetenden Kraftwerken und entblödete sich nicht, voller Emphase den Ausspruch Ernst Reuters angesichts der Blockade 1948 in Berlin zu zitieren: “Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!”

    Ja, schaun werden sie, fragt sich nur, wie und mit welchen Empfindungen! Die Völker Südostasiens werden uns - zu Recht - verfluchen, tragen wir doch Schuld am immer rasanteren Klimawandel, Schuld am den Wirbelstürmen, den Überschwemmungen und dem Leid Hunderttausender. Die Gier der Energiekonzerne nach immer größeren Profiten, die Borniertheit und Beschränktheit vieler unserer Politiker führen zu solch grotesken Entscheidungen, wie sie am Mittwoch gefällt wurden.

    Leider sind sie aber, gerade hier in Exponenten einer teilweise oft bequemen, unreflektierten und resignativen Bevölkerung, die sich einerseits von solchen “Experten” wie z.B. dem Professor aus Schortens mit seinen CO2-Abstrusitäten und auch der Propagandamaschine von EON, Electrabel und ihren politischen Stiefelleckern einlullen lässt.

    Und weil jetzt alles so perfekt läuft: Um Wilhelmshaven nicht nur an die Weltspitze der Kraftwerksstandorte zu katapultieren, sollte man sich überlegen, ob man nicht noch eine Müllverbrennungsanlage (Transporte aus Neapel beleben die Wirtschaft!), eine Giftmülldeponie und evt. 1 bis 2 Atomkraftwerke aufstellen sollte. An unserer Küste gibt es noch genügend Platz!

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Die Bürgerinitiative - Zeche Rüstersieler Groden gegen Kohlekraftwerke und für Klimaschutz richtet sich gegen die Ansiedlungspläne der Stadt Wilhelmshaven von weiteren Kohlekraftwerken.

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