Langsam kommt die Wahrheit ans Licht

Die alte Eon Dreckschleuder: Schon heute weit sichtbares Markenzeichen der Stadt Wilhelmshaven und Ausdruck des Umweltbewusstseins der Kohleallianz unter den Ratsmitgliedern, die nicht im mindesten zu interessieren scheint, was ihre Amtskollegen im Umland für eine Meinung zu Kohlekraftwerken haben.
Viele Monate hat die Zeche und ihre vielen Unterstützer auf die Gefahren der bis zu vier neuen in Wilhelmshaven geplanten Kohlekraftwerke hingewiesen. Umweltbelastungen, Gesundheitsschäden und die mögliche Vernichtung des Tourismus in der gesamten Region waren hierbei nur einige der Kritikpunkte.
Mit schneidigen Worten versuchten der Oberbürgermeister, die Energielobby und die kommunalen Politiker von CDU, SPD und FDP die Kritiker als Schwarzmaler, Nestbeschmutzer und Idealisten hinzustellen. Es wurde mit unsinnigen Drohungen wie “Stromlücke” oder dem wirtschaftlichen Niedergang der Stadt hantiert.
Seit der Genehmigung der Bebauungspläne durch den Rat der Stadt und somit die Weichenstellung für die vier Dreckschleudern an der Jade, herrscht Ruhe in Wilhelmshaven. Kein Politiker äußert sich mehr, kein Energieriese verteilt mehr Werbebroschüren. Die Bürger haben sich ihrem Schicksal ergeben.
Nur in den angrenzenden Landkreisen regt sich starker Widerstand. Friesland, das Wangerland und die ostfriesischen Inseln melden sich immer lauter zu Wort und machen ihrem Ärger über die wahnwitzigen Entscheidungen in Wilhelmshaven offen Luft. Selbst die CDU in Friesland und dem Wangerland stellt sich offen gegen die Kohlekraftwerke, da sie den Untergang des Tourismus fürchtet.
Die Argumente der Zeche Rüstersielergroden, die von der Wilhelmshavener Politik als haltlos bezeichnet wurden, werden von den Politikern der Anreinergebiete dankbar aufgenommen. Umweltverschmutzung, Lärmbelästigung und Arbeitsplatzvernichtung sind wieder Fakten und keine Hirngespinste. Augenscheinlich lassen sich die Politiker aus Friesland und dem Wangerland nicht so billig einkaufen, wie dies EON und Elektrabel in Wilhelmshaven gelungen ist.
Aber warum schweigt die Wilhelmshavener Politik nun? Wagt es unser Oberbürgermeister nicht, seine Amtskollegen als Lügner, Nestbeschmutzer, Schwarzmaler und Querulanten zu bezeichnen, oder weiß er gar, dass er über Monate Lügen verbreitet hat!? Wo bleiben die kernigen Worte der CDU und SPD Funktionäre, wenn es um die Kritik der Nachbargemeinden an den Plänen Wilhelmshavens geht?
Auch die neuen Klimaschutzziele der Bundesregierung strafen die Wilhelmshavener Politik Lügen! Immer dramatischer wird die Situation, da die Ziele kaum mehr erreichbar scheinen. Und Wilhelmshaven trägt einen Großteil der Verantwortung daran, dass die Ziele eines ganzen Staates in dunkle Rauchwolken aus Kohlestaub, Schwefel, Blei und Quecksilber aufgehen.
Es mag sein, dass es die Politik und Energielobby in Wilhelmshaven geschaft hat, den Willen der Bürger zu unterdrücken. Die Wahrheit über die dramatischen Folgen der Entscheidung für die Kohlekraftwerke werden sie nicht verhindern können. Parteiaustritte, Wegzüge und die Vernichtung von Arbeitsplätzen und der Umwelt werden auf Dauer nicht zu verheimlichen sein.
Die folgenden Generationen werden dafür Sorge tragen, dass die Namen Menzel, Schmidt, Biester, Reuter, von Teichmann oder Neumann als Synonym für verantwortungsloses Handeln in die Geschichte der Stadt Wilhelmshaven eingehen werden.
Die Energiepreisentwicklung der nächsten Jahre wird dafür Sorge tragen, dass die Versprechungen der Energiekonzerne, dass neue Kraftwerke den Strompreis drücken werden, als wissentliche Lüge geoutet werden. Die moderne Technik erneuerbarer Energien wird schon in Kürze die Steinzeittechnik der Kohlekraftwerke überholen und Wilhelmshaven hat echte Chancen, als Museum für überalterte Technologien zu dienen.
