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Zusätzliche Quecksilber-Belastung als „Licht-aus-Kriterium“ für geplantes Kohlekraftwerk Staudinger

Geschrieben am 20 November, 2009

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Nicht nur über den Schornstein geht tonnenweise Quecksilber in die Umwelt, sondern auch über das Wasser.

Erörterungstermin von Block 6 des E.on-Kohlekraftwerks im hessischen Großkrotzenburg stellt Genehmigung grundsätzlich in Frage – Neue EU-Richtlinie zum Schutz von Gewässern und Fischen vor giftigem Quecksilber wird nicht eingehalten – Deutsche Umwelthilfe, BUND Hessen und Bund Naturschutz in Bayern verlangen Abbruch oder Aussetzung des Verfahrens und kündigen für den Fall der Genehmigung Klagen an

Berlin/Frankfurt/Regensburg - Die Zukunft des geplanten Block 6 des Kohlekraftwerks Staudinger im hessischen Großkrotzenburg ist wieder offen. Anlässlich der Erörterung des Vorhabens im Bürgerhaus der Gemeinde stellte sich seit Dienstag heraus, dass der Bauherr E.on bezüglich der Quecksilberbelastung des Mains und der mit dem geplanten neuen Kraftwerksblock verursachten Zusatzbelastung von grundsätzlich falschen Voraussetzungen ausgeht.

Sollte das Vorhaben dennoch genehmigt werden, „droht ein ähnliches Investitionsfiasko wie am Kraftwerksstandort Datteln in NRW“. Davon gehen die Deutsche Umwelthilfe e. V. [DUH], der BUND Hessen und der Bund Naturschutz in Bayern aus, deren Vertreter im Verlauf des Erörterungstermins schwerwiegende Einsprüche gegen das Vorhaben und insbesondere die im Fall der Realisierung zunehmende Belastung des Mains mit dem giftigen Schwermetall Quecksilber vorgetragen haben.

„Die Treibhausgasemissionen aus neuen Kohlekraftwerken stehen in einen unauflösbaren Widerspruch zu den international verabredeten Klimazielen“, sagte Rainer Baake, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V. [DUH]. Über diese grundlegende Erkenntnis hinaus werde jedoch viel zu häufig vergessen, „dass neue Kohlekraftwerke zusätzlich die Umgebung massiv mit Umweltgiften belasten“. Für das Projekt Staudinger werde die „Quecksilber-Belastung des Mains voraussichtlich das Licht-aus-Kriterium“, warnte Baake.

Insbesondere eine neue Umweltgesetzgebung der EU stelle das Projekt vor „nahezu unüberwindbare Probleme“, erläuterte Michael Rothkegel, der hessische Landesgeschäftsführer des Bund für Umwelt und Naturschutz [BUND].

„E.on führt nicht nur die Öffentlichkeit hinters Licht, sondern lügt sich auch selbst in die Tasche, wenn das Unternehmen weiter die erheblichen Zusatzbelastungen des Mains mit Quecksilber leugnet oder kleinrechnet.“

Auf Basis einer Neuberechnung der zuständigen hessischen Fachbehörde über die Vorbelastung des Mains mit dem giftigen Metall ergebe sich mit Staudinger Block 6 eine Zusatzbelastung bis zu 50 Prozent. Die wäre jedoch mit den europarechtlichen Vorgaben völlig unvereinbar.

„Die neue EU-Richtlinie ist eindeutig“, erklärte der Geschäftsführer des Bund Naturschutz in Bayern, Peter Rottner. Die von der EU verlangten Quecksilber-Grenzwerte für Fische und andere Lebewesen werden im Main schon jetzt vielfach überschritten. Rottner: „Quecksilbereinträge müssen deshalb reduziert werden, jeder Neueintrag ist unzulässig“. Das Problem stelle sich im Übrigen nicht nur am Kraftwerksstandort Staudinger, sondern sei auch eine der zentralen Fragen in den Genehmigungsverfahren der geplanten Kraftwerke in Brunsbüttel an der Elbe und Lubmin am Greifswalder Bodden.

Quecksilber steht derzeit im Fokus der Umweltgesetzgebung der Europäischen Union. Im Dezember 2008 wurde seitens der EU eine  Tochterrichtlinie [RL 2008/105/EG] zur Wasserrahmenrichtlinie erlassen, die bis Sommer 2010 in den Mitgliedstaaten umgesetzt sein muss. Die darin enthaltenen Grenzwerte für Fische und andere Lebewesen werden in nahezu allen großen deutschen Flüssen, darunter auch dem Main schon jetzt um ein Vielfaches überschritten.

E.on argumentierte im Verlauf des Erörterungstermins, dass die durch den Block 6 hervorgerufene Zusatzbelastung gegenüber der Vorbelastung des Mains so gering sei, dass dies rechtlich nicht relevant sei. Bei der Ermittlung der Vorbelastung ging E.on jedoch von veralteten Werten aus.

Die Genehmigungsbehörde, das Regierungspräsidium Darmstadt, hat unterdessen durchblicken lassen, dass man nicht die Zusatzbelastung des Mains an sich zum Gegenstand der Prüfung machen, sondern allein auf einen Vergleich der bisherigen Quecksilbereinleitungen des Standorts Staudinger und der künftigen Einleitungen abstellen wolle. Wenn E.on die Blöcke 1 bis 3 stilllege, würde die Quecksilberbelastung insgesamt nicht erhöht.

Diese Auffassung des Regierungspräsidiums stellt nach Überzeugung des Berliner Rechtsanwalts Peter Kremer, der in dem Verfahren die Deutsche Umwelthilfe [DUH] vertritt, eine unzulässige Hilfskonstruktion dar, die bei einer gerichtlichen Überprüfung keinen Bestand hätte. Die Richtlinie der EU verlange nämlich die Beendigung sämtlicher Quecksilbereinträge und verbiete damit praktisch Genehmigungen, mit denen derartige Einträge zugelassen werden. Wenn das Regierungspräsidium Darmstadt das Kraftwerk dennoch genehmige, laufe es nach einer dann programmierten Niederlage vor Gericht Gefahr, von E.on auf Schadensersatz für getätigte Investitionen in Milliardenhöhe verklagt zu werden. Dafür müssten am Ende die hessischen Steuerzahler gerade stehen.

Rechtsanwältin Ursula Philipp-Gerlach, die die Umweltverbände BUND Hessen und Bund Naturschutz Bayern in dem Verfahren vertritt, machte deutlich, dass die Vorgaben der EU nur durch eine umfassende Verringerung sämtlicher Quecksilbereinträge erreicht werden könnten. Dies sei jedoch mit der Inbetriebnahme des neuen Kraftwerksblocks praktisch ausgeschlossen. Auch die zuständige Fachbehörde des Landes habe im Termin deutlich gemacht, dass es hierfür bisher keine Lösung gebe.

Der Sachverständige des BUND Hessen monierte im Verlauf des Erörterungstermins darüber hinaus, dass für bestimmte Schadstoffe, die in das Wasser gelangen würden, überhaupt noch keine Angaben von E.on vorlägen. Auch diese Kritik wurde seitens des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie bestätigt, so dass auch aus diesem Grund das Verfahren gar nicht weiter geführt werden könne.

Verfahrensrechtlich wird von den AnwältInnen der Verbände kritisiert, dass die Frage der Wasserbeeinträchtigung noch gar nicht Gegenstand des Verfahrens ist. Die Genehmigungsbehörde habe es zugelassen, dass E.on den immissionsschutzrechtlichen Antrag stellt, ohne die hierfür erforderliche wasserrechtliche Erlaubnis zu beantragen. Damit fehle es an der Beurteilungsfähigkeit des Vorhabens. Spätestens seit Mittwoch sei aber für alle Beteiligten erkennbar, dass die Wasserbelastung einer der Kernpunkte des Verfahrens sei, so dass es ohne die entsprechende Prüfung nicht weiter geführt werden könne. Die Verbandsvertreter hatten der Behörde daher dringlich empfohlen, das Verfahren abzubrechen oder mindestens auszusetzen.

Sollte es vor Durchführung des wasserrechtlichen Verfahrens zu einer Genehmigung kommen, kündigten die Verbände eine umgehende gerichtliche Überprüfung an. Da auch der Antrag auf Baubeginn bereits gestellt sei, würde das Land ein unverantwortliches Risiko eingehen.

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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60 Nobelpreisträger: Kopenhagen muss Wende zur Nachhaltigkeit bringen

Geschrieben am 10 November, 2009

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Zukunft und Vergangenheit liegen oft dicht nebeneinander so wie Dichtung und Wahrheit…

Rund sechzig Nobelpreisträger fordern die Regierungschefs der Welt auf, sich umgehend auf ein tragfähiges Klimaabkommen zu einigen. Ein solcher Vertrag müsse dem Ausmaß und der Dringlichkeit der sich bereits heute abzeichnenden sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Krisen gerecht werden, heißt es in einem entsprechenden Memorandum.

Entschlossene politische Führung sei jetzt nötiger denn je. Zu den Unterzeichnern des Memorandums gehören unter anderem die Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, seine Hoheit der Dalai Lama und Mohammed el-Baradei, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, sowie die Literaturnobelpreisträger Doris Lessing, John Coetzee und Wole Soyinka.

Das Memorandum, das im Frühjahr dieses Jahres im Rahmen eines Nobelpreisträgersymposiums unter der Schirmherrschaft des britischen Thronfolgers Prinz Charles entstand, richtet sich im Vorlauf des UN-Klimagipfels im Dezember in Kopenhagen an politische Entscheidungsträger in aller Welt. Die Unterzeichner rufen Politik und Wissenschaft auf, gemeinsam mit Industrie und Zivilgesellschaft die historische Chance von Kopenhagen zu nutzen, die bisherige kohlenstoffintensive Wirtschaftsweise durch eine nachhaltige und gerechtere zu ersetzen.

Rund zwanzig Nobelpreisträger verschiedenster Disziplinen hatten sich im vergangenen Mai im St. James’s Palace in London mit einer Expertengruppe aus führenden Wissenschaftlern und hochrangigen Entscheidungsträgern aus Wirtschaft und Politik getroffen, um über die wirksamsten Strategien zur Bewältigung der Klima- und Nachhaltigkeitskrise zu beraten.

Zu den Teilnehmern gehörte auch der Energieminister der Vereinigten Staaten und Physik-Nobelpreisträger Steven Chu. Mittlerweile haben zahlreiche weitere Nobelpreisträger das Memorandum unterzeichnet, darunter auch deutsche Preisträger wie Harald zur Hausen oder Gerhard Ertl.

„Kaum eine andere Initiative zur Klima- und Nachhaltigkeitsproblematik dürfte über eine ähnliche intellektuelle Schlagkraft verfügen wie dieses Memorandum“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung [PIK]. Der weit verbreitete Glaube in Industrie- und Schwellenländern, ein ambitioniertes Klimaabkommen wäre ein Verlustgeschäft, sei nicht nur irrig, sondern drohe eine notwendige Einigung in Kopenhagen zu gefährden. „Es ist unerlässlich, dass in einer solch kritischen Situation unabhängige Größen der Wissenschaft ihre Stimme erheben“, so Schellnhuber.

Hideke Shirakawa, Nobelpreisträger für Chemie, hofft, dass das Memorandum den Sorgen der Menschen weltweit angemessen Ausdruck verleiht. Er glaube, dass sich nicht nur Wissenschaftler, sondern auch viele andere Menschen Sorgen um den Klimawandel machten. Der Großteil der Menschheit habe aber nicht die Möglichkeit, sich öffentlich Gehör zu verschaffen. „Ich hoffe, dass das St. James’s Palace Memorandum eine starke Stimme hat und hilft, die Weltgemeinschaft zu vereinen und zu bewegen“, sagt er.

Das Nobelpreisträgersymposium im St James’s Palace ist Teil einer interdisziplinären Symposiumsreihe zur Globalen Nachhaltigkeit, die im Oktober 2007 von Hans Joachim Schellnhuber, dem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, in Potsdam ins Leben gerufen wurde. Schirmherrin der damaligen Veranstaltung war Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Das diesjährige Treffen wurde gemeinsam vom University of Cambridge Programme for Sustainability Leadership [CPSL] und dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung veranstaltet. Das St. James’s Palace Memorandum knüpft an das Potsdam-Memorandum an, welches auf dem ersten Nobelpreisträgertreffen verabschiedet wurde, und stützt sich auf jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse der Forschung zum Klimawandel.

Quelle: Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung [PIK]

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Frachter für Atommülltransport nach Grohnde angeblich ausgelaufen

Geschrieben am 5 November, 2009

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Atlantic Osprey

Das für den umstrittenen Transport plutoniumhaltiger Brennelemente aus Großbritannien zum niedersächsischen Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln vorgesehene Schiff ist nach Angaben von Umweltschützern ausgelaufen. Die «Atlantic Osprey» habe in der Nacht zum Dienstag den britischen Hafen Workington in der Nähe der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield verlassen, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Jugendumweltnetzwerks am Mittwoch.

Das früher als Fahrzeugfähre eingesetzte Schiff nehme Kurs auf den schwedischen Hafen Studsvik. Es könne sich dabei aber um eine Finte handeln, sagte der Sprecher. Das Netzwerk schließe nicht aus, dass die «Atlantic Osprey» Ende dieser Woche «in der deutschen Bucht auftaucht». Ob das Schiff die in Sellafield aufbereiteten Mischoxid-Brennstäbe an Bord hat, blieb zunächst unklar. Der Betreiber des AKW Grohnde, die E.ON Kernkraft GmbH, äußerte sich zur möglichen Abfahrt des Schiffes auf ddp-Anfrage nicht.

Ursprünglich sollten die Brennelemente von der «Atlantic Osprey» nach Cuxhaven gebracht und dort auf Lastwagen umgeladen werden. Der Cuxhavener Hafenbetreiber und später auch der Bremer Senat lehnten die Abwicklung des Transportes über ihre Hafenanlagen jedoch ab. Nach Angaben des Jugendumweltnetzwerks könnte der Umschlag nun über die Häfen Nordenham oder Emden erfolgen.

Anm. d. Red.:
Ob das Schiff Wilhelmshaven als möglichen Verladepunkt ansteuert ist nicht bekannt.
Verfolgen kann man das Schiff hier: www.shipais.com

Quelle: Contratom

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Arktis warm wie nie in 200.000 Jahren

Geschrieben am 22 Oktober, 2009

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In der Arktis auch bald ein Bild aus der Vergangenheit. [Bildquelle: Wikipedia]

Der bereits eingetretene Klimawandel ist beispiellos für die vergangenen 200 Jahrtausende. Darauf haben kanadische Forscher nach der Auswertung von Bohrkernen aus den Sedimentschichten eines Sees in der Arktis hingewiesen. “Die vergangenen Jahrzehnte sind ökologisch einmalig in 200.000 Jahren”, sagte Neal Michelutti, Öko-Paläontologe an der Queen’s University in Kingston [Ontario].

Die Arbeit des Wissenschaftlerteams - geleitet von Yarrow Axford [University of Colorado] - ist in den Proceedings of the National Academy of Science erschienen. Auf der abgelegenen Baffin-Insel untersuchten die Wissenschaftler Sedimentschichten, die sich im Lauf der Erdgeschichte am Boden eines heute knapp zehn Meter tiefen See abgelagert hatten.

Anhand der Überreste von Algen und Wasserinsekten rekonstruierten sie Klima- und Umweltbedingungen der Vergangenheit. So konnten sie die Daten für die vergangenen zwei Eis- und drei Warmzeiten mit denen von heute vergleichen.

“Das 20. Jahrhundert ist die einzige Periode während der vergangenen 200.000 Jahre, in denen aquatische Indikatoren eine zunehmende Erwärmung anzeigen”, erklärt Studienleiter Axford, “und das trotz Änderungen der Erdrotation, die eigentlich einen kühlenden Effekt haben müssten.”

So weit zurückreichende Datenreihen sind äußerst selten, weil die während vergangener Eiszeiten typischerweise die Eisschilde - riesigen Bulldozern gleich - frühere Ablagerungen zerstörten. Auf der Baffin-Insel jedoch sind die Sedimentschichten erhalten.

“Unsere Ergebnisse zeigen, dass der ‘menschliche Fußabdruck’ langandauernde natürliche Prozesse überlagert, sogar in entlegenen arktischen Regionen”, so der beteiligte Biologe John Smol. “Wir beeinflussen auf dramatische Weise die Ökosysteme, von denen wir abhängen.

Wir haben ein unkontrolliertes Experiment an unserem Planeten gestartet; die Situation ist viel schlimmer, als wir dachten, und das ist erst der Anfang.”

Hier eine Übersicht über die Meeresspiegelerhöhungen, wenn:
- die Westantarktis schmilzt: 5 - 6 Meter
- die Arktis schmilzt: 6 -7 Meter
- wenn alle Gletscher schmelzen: 0,3 Meter
- wenn die Antarktis schmilzt: 70 Meter
[Quelle: Spiegel TV]

Quelle: Wir Klimaretter

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Erneuerbare Energien treiben Strompreis nicht

Geschrieben am 19 Oktober, 2009

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Erneuerbare Energieen werden von der Atomlobby als zu hoch subventioniert in die Presse gebracht. Da sollte sich die Atomindustie endlich einmal selbst an die eigene Nase fassen!

Deutsche Umwelthilfe widerspricht Behauptung von höheren Belastungen für Verbraucher – Entlastende Effekte durch Zubau Erneuerbarer Energien werden systematisch ignoriert – Wirtschaftskrise erzeugt Scheineffekt durch insgesamt an der Börse gesunkene Strompreise

Berlin - Der aufgrund der Regelungen des Erneuerbare Energien Gesetzes [EEG] wachsende Anteil von Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Bioenergie führt auch in Zukunft nicht zu unkalkulierbaren Mehrkosten für private Haushalte und Industrie. Wer die von den Netzbetreibern am vergangenen Donnerstag veröffentlichte Prognose der EEG-Umlage für 2010 zum Anlass für eine neue Strompreisdiskussion gegen die Erneuerbaren Energien nutze, führe die Öffentlichkeit bewusst oder unbewusst in die Irre, erklärte die Deutsche Umwelthilfe e. V. [DUH] in Berlin.

Den steigenden Kosten für die EEG-Umlage stünden in Wirklichkeit Entlastungseffekte in vergleichbarer Größenordnung gegenüber. „Wer die steigenden Belastungen beklagt und die Entlastungen verschweigt, sagt nur die halbe Wahrheit“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake.

Die rechnerische Steigerung der EEG-Umlage auf rund 2 Cent pro Kilowattstunde [Cent/kWh] Strom setze sich aus mehreren Faktoren zusammen. Zwar wachsen die Vergütungen insgesamt wegen der erwünschten starken Zunahme von Strom aus Erneuerbaren Energien.

Die prognostizierte erhebliche Steigerung der Umlage für 2010 [gegenüber 2008 und gegenüber den Erwartungen für 2009] ist aber zuallererst eine Folge des in der Wirtschaftskrise generell gesunkenen Börsenpreises von Strom. Damit wird auch dem EEG-Strom ein geringerer Wert zugemessen, mithin steigt die Differenz zwischen den gesetzlich festgelegten Vergütungszahlungen und den Vermarktungserlösen an der Börse. Hinzu kommt, dass die EEG-Umlage auf den in der Krise geringeren Stromabsatz aufgeteilt werden muss.

Schließlich wird wegen des kürzlich veränderten Ausgleichsmechanismus dem Strom aus Erneuerbaren Energien insgesamt ein um 400 Millionen Euro geringerer Marktwert zugerechnet, was die rechnerische Umlage ebenfalls entsprechend erhöht.

Baake beklagte, dass in der öffentlichen Debatte zum wiederholten Mal „volkswirtschaftlich oder direkt beim Stromkunden Kosten senkende Effekte des Ausbaus der Erneuerbaren Energien in Milliardenhöhe unterschlagen werden“. So führe der wachsende Anteil Erneuerbarer Energien an der Strombörse insgesamt zu einer Senkung der Preise, weil die am teuersten produzierenden konventionellen Kraftwerke nicht mehr oder seltener hochgefahren werden müssen.

Dieser so genannte „Merit-Order-Effekt“ belief sich nach wissenschaftlichen Untersuchungen 2006 auf etwa drei bis fünf Milliarden Euro, für 2007 und 2008 ergäben Schätzungen einen Preissenkungseffekt von drei bis etwas mehr als vier Milliarden Euro. Das allein entspricht etwa der Hälfte der für 2010 errechneten Mehrkosten durch Erneuerbare Energien von 8,2 Milliarden Euro. Auf 1,2 Milliarden Euro werde sich 2010 der Wert der durch Strom aus Erneuerbaren Energien eingesparten CO2-Zertifikate summieren.

Steigen die derzeit sehr niedrigen Preise für die Verschmutzungsrechte, erhöhe sich dieser Entlastungseffekt entsprechend. Hinzu kämen heute für das Jahr 2010 noch nicht abschätzbare Nettoersparnisse, weil wegen des Ausbaus der Erneuerbaren Energien weniger Energierohstoffe nach Deutschland importiert werden müssen. Für das Jahr 2008 wurden die Importersparnisse im Stromsektor auf 2,7 Milliarden geschätzt.

Der mit Abstand größte Nutzen des Einsatzes von Erneuerbaren Energien ergebe sich jedoch aus den wegen der CO2-Einsparung vermiedenen Schäden durch den Klimawandel. Diese liegen nach wissenschaftlichen Abschätzungen mit 70 Euro pro Tonne CO2 fünfmal höher als die Preise, die derzeit für CO2-Emissionszertifikate bezahlt werden müssen.

Diese so genannten vermiedenen externen Kosten steigen im Jahr 2010 voraussichtlich auf rund sechs Milliarden Euro, wobei die Schäden durch andere Schadstoffe der konventionellen Stromerzeugung wie Schwermetalle, Stickoxide oder Feinstaub noch nicht berücksichtigt seien.

„Bei einer ehrlichen Rechnung, die die Entlastungseffekte einbezieht, kommen wir eher auf eine dämpfende Wirkung der Erneuerbaren Energien als eine den Preis treibende“, sagte Baake.

Die Leiterin Klimaschutz und Energiewende der DUH, Cornelia Ziehm, forderte die Stromversorger auf, „die Mär von der Kostenexplosion durch Erneuerbare Energien nicht noch einmal aufzutischen“. Nachweislich seien es nicht die Erneuerbaren gewesen, die für die Preissteigerungen der vergangenen Jahre verantwortlich gewesen seien.

„Bevor die Stromversorger nun eine neue Preisrunde einläuten und die Erneuerbaren Energien dafür verantwortlich machen, sollten sie erst einmal die in der Wirtschaftskrise gesunkenen Börsenpreise angemessen an ihre Kunden weitergeben“, forderte Ziehm. Sie wies darauf hin, dass die EEG-Umlage nach allen Prognosen nur noch wenige Jahre ansteige, weil insbesondere im Bereich der Fotovoltaik, große Kostensenkungen zu erwarten seien, während Strom aus fossilen Brennstoffen tendenziell teurer werde.

Darüber hinaus verfolge das EEG neben klima- und energiepolitischen, auch industrie- und arbeitsmarktpolitische Ziele. Ziehm wies auch darauf hin, dass gerade die stromintensive Industrie in Deutschland seit Jahren vom EEG profitiere. Ihr Anteil an der Umlage sei auf symbolische 0,05 Cent/kWh begrenzt, während sie gleichzeitig vom Strompreis senkenden Merit-Order-Effekt profitiere.

Ziehm: „Was wir derzeit erleben, ist ein neuer Auftakt im Kampf der traditionellen Energiewirtschaft mit ihren Atom- und Kohlekraftwerken gegen den Ausbau der Erneuerbaren, die ihnen jedes Jahr ein Prozent Marktanteil abnehmen. Er ist die Begleitmusik zu den Plänen der zukünftigen Bundesregierung zum Ausstieg aus dem Atomausstieg.“

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

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Bürgerbegehren!

Die Bürgerinitiative - Zeche Rüstersieler Groden gegen Kohlekraftwerke und für Klimaschutz richtet sich gegen die Ansiedlungspläne der Stadt Wilhelmshaven von weiteren Kohlekraftwerken.

Engagieren Sie sich durch Ihre Unterschrift für mehr Mitbestimmung und eine saubere Zukunft unserer Stadt.

Hier können Sie sich die Unterschriftenliste downloaden. Dann nur noch ausdrucken und ausfüllen!